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Frettchen – Impfung und Kastration

Impfung

Frettchen sind trotz ihrer Kleinheit eher mit dem Hund als mit der Katze zu vergleichen. Deshalb sollten sie auch gegen Staupe und Tollwut geimpft werden.

Staupe

Es handelt sich um eine fieberhafte Viruserkrankung, die sich im Bereich der Atemwege, des Verdauungskanals und/oder des Gehirns festsetzen kann. Die Übertragung kann von Tier zu Tier, aber auch indirekt über Hände, Kleider, Fressnäpfe etc. erfolgen. Die Erkrankung verläuft im typischen Fall zweiphasig. In der ersten Phase kann es zu einer leichten Störung des Allgemeinbefindens, Appetitlosigkeit und Bindehautentzündung kommen. In der zweiten Phase, nach 2-7 Tagen, beobachtet man erneut Mattigkeit, Appetitlosigkeit und Konjunktivitis, eitriger Augenausfluß, sowie Entzündungen der oberen Atemwege. Bei jungen Hunden, die diese Krankheit überleben, kann man später die typischen Schmelzdefekte als „Staupegebiss“ erkennen. Aber auch Veränderungen im Ballenbereich (Hyperkeratose) können durch eine überstandene Staupeerkrankung auftreten. Der “Staupe-Tick” kann von leichten Zuckungen bis hin zu epiletiformen Anfällen durch eine Infektion im Bereich des Gehirns ausgelöst werden.

Tollwut

Die Tollwut ist eine akut und tödlich verlaufende Gehirnentzündung bei Tieren und Menschen (sog. Zoonose = auf den Menschen übertragbare Krankheit); die Übertragung des Virus erfolgt durch den Speichel beim Biß infizierter Füchse, Nagetiere, Fledermäuse. Daher sollten alle Haustiere, die Kontakt zu Wildtieren haben könnten, gegen Tollwut geimpft sein, auch zum Schutz des Menschen! Das Virus breitet sich direkt über die Nervenbahnen Richtung Gehirn aus. Am Beginn der Erkrankung zeigt sich eine Wesensänderung, die von überfreundlich (bei Wildtieren scheinbare Zahmheit) bis sehr ängstlich sein kann. Während des sogenannten Exzitationsstadiums sind die Tiere aggressiv und sehr unruhig. Im letzten Stadium geht die Unruhe über in Erschöpfung und Lähmungserscheinungen und endet immer mit dem Tod.

Kastration

Beim Frettchenrüden sinkt mit der Kastration auch der zum Teil recht strenge Geruch und ein Zusammenleben im Haus ist sehr viel angenehmer. Auch die Aggressivitiät und das Markierverhalten lassen deutlich nach. Gerade bei der Haltung von mehreren Frettchen ist sonst ein ständiger Stress wegen des Sexualtriebes zu erwarten.

Bei der Frettchenfähe, die nicht zur Zucht genutzt werden soll, ist eine Kastration sogar lebensnotwendig. Denn die Frettchendamen kommen ähnlich  wie die Katzen in eine Dauerranz, da der Deckakt den Eisprung auslöst. Erfolgt also keine Bedeckung kommt es zu einer permanenten Östrogenbildung. Dieses ist schädlich für das Knochenmark und daraus entwickelt sich eine Blutarmut (Panzytopenie aufgrund einer Knochenmarksdepression). Und das Ganze kann schon dramatische Folgen haben, sobald sich die Fähe 1 Monat in Dauerranz befindet. Der Tod tritt dann irgendwann durch Verbluten ein, da neben den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) auch die weißen Blutkörperchen (Granulozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten) betroffen sind. Deshalb sollte die Kastration VOR der ersten Ranz im Frühjahr durchgeführt werden.

Leider weist das Frettchen noch eine weitere Besonderheit auf. Klassisch kastrierte Tiere (chirurgisch) entwickeln im weiteren Verlauf ihres Lebens eine Nebennierenerkrankung – den Hyperadrenokortizismus. Hierbei kommt es zu Symptomen wie Haarausfall, Juckreiz, Gewichtsverlust und haufig zu Symptomen wie in der Ranz (Vulvaschwellung, aktiviertes Sexualverhalten). Therapeutisch ist hier entweder die Entfernung der vergrößerten Nebenniere oder das Implantieren eines Hormonchips erforderlich. Dieser Hormonchip ist vielen sicherlich als Kastrationschip für die Rüden bekannt. Deshalb sind wir in der Praxis dazu übergegangen, die Frettchen nicht mehr chirurgisch zu kastrieren sondern sie gleich zu chippen. Denn dann entfällt das Narkoserisiko und auch das spätere Erkrankungsrisiko bezüglich des Hyperadrenokortizismus. Der kleine Chip hält zwischen 2 und 4 Jahren und muss dann wiederholt werden.

Die Entfernung der Stinkdrüsen stellt keinen medizinischen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes dar.