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Hund – Das Alter ist keine Krankheit

Zum Glück kommt es immer häufiger vor, dass unsere geliebten Haustiere ein hohes Lebensalter erreichen. Sicherlich spricht das positiv für unseren Zivilisationsstand. Aber auch der einzelne Tierhalter kann viel dafür tun, dass „Bello“ oder „Miezi“ glücklich alt werden. Denn das Alter ist keine Krankheit. Sobald sich das Verhalten des Tieres verändert, sollte neben der intensiven Beobachtung auch der Tierarzt zu Rate gezogen werden.

Immer wieder kommt es vor, dass mir ältere Tier vorgestellt werden. Die Aussagen decken sich im Prinzip und lauten „Der ist alt, hat aber keine Schmerzen.“ Auf gezielte Nachfragen dann aber zeigt sich, dass sich das Verhalten des Tieres in den letzten Monaten schon geändert hat. Häufig sieht man auch, dass sich die Muskulatur langsam zurückbildet, weil sie einfach nicht mehr so intensiv genutzt wird wie früher. Das fällt sicherlich niemandem auf, der das Tier jeden Tag sieht – aber bei einem jährlichen Check beim Tierarzt entdeckt dieser das dann schon.

Wenn Sie an der Umfrage teilgenommen haben und “Mein Tier rennt und spielt wie früher” gewählt haben ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Tier unter chronischen Schmerzen leidet eher gering.
Sollten Sie aber eine der anderen Antworten gewählt haben, hat Ihr Tier vermutlich (noch) gut versteckte chronische Schmerzen.

Gerade Arthrosen kommen im fortgeschrittenen Alter sehr häufig vor. Leider klagen die Tiere wenig. Die ersten Anzeichen werden etwas weniger Bewegungsfreude sein. Ihr Liebling springt vielleicht nicht mehr so leicht ins Auto oder auf die Couch. Manchmal zeigen sich auch Lahmheiten, besonders nach Ruhephasen. Hier sollte spätestens gehandelt werden. Denn der Körper hat ein „Schmerzgedächtnis“. Und je häufiger das in Anspruch genommen wird, desto sensibler reagiert das Tier auf einen erneuten Schmerzreiz. Das bedeutet, dass der Organismus bei geringeren Schmerzen schneller und stärker als nötig mit Lahmheiten und Entzündungen reagiert.

Eine Arthrose ist per Definition eine degenerative Gelenkserkrankung. Dieser Gelenkverschleiß betrifft vor allem das Knorpelgewebe. Im Gegensatz dazu ist eine Arthritis eine entzündliche Gelenkserkrankung, die akut, schmerzhaft, meist mit vermehrter Wärme und Gelenkfüllung charakterisiert ist. Bei der Arthrose gibt es zuerst Knorpelschäden durch Fehl- oder Überbelastung (Hüftgelenkdysplasie HD, zu dick – Adipositas), Infektionen oder Versorgungsstörungen. Der Körper versucht dann diese Schäden zu reparieren. Leider ist das Reparaturmaterial nicht so elastisch wie der ursprüngliche Knorpel und so kommt es weiter zu erneuten Schäden bis hin zu Knochenreizungen. Ein gereizter Knochen fängt dann an, vermehrt Knochensubstanz zu bilden – diese Zubildungen kann man im Röntgen nachweisen. Das bedeutet aber auch im Umkehrschluss: die Arthrose, und damit auch die Schmerzen im Gelenk, beginnen lange bevor wir sie im Röntgenbild nachweisen können.

Besonders betroffen sind die Hüftgelenke, Wirbelsäule und die Ellenbogengelenke. Dies ist auch der Grund, weshalb bei vielen Hunderassen mittlerweile in den Zuchtstatuten Röntgenbilder von den Hüft- und Ellenbogengelenken in jungen Jahren angefertigt werden. Sieht man hier schon Veränderungen im Sinne von Fehlbildungen, kann davon ausgegangen werden, dass sich hier mit fortschreitendem Alter durch die Fehlbelastung Arthrosen entwickeln werden. Da häufig eine Vererbung der Fehlbildungen beobachtet wurde, sind diese Bilder für Zuchtzulassungen notwendig.

Gerade die Arthrosen im Bereich der Wirbelgelenke, auch Spondylosen genannt, können dann noch auf die Nervenenden drücken. Insofern können zu den chronischen Schmerzen beim Aufstehen, Treppensteigen, Springen auch noch akute Nervenschmerzen kommen, wenn sich ein Nerv einklemmt. Dies kann bis zu Lähmungserscheinungen führen. Auch deshalb ist es wichtig, frühzeitig zu handeln und genau zu wissen, in welchem Grad sich die Arthrose befindet.

Ein sensibles Beobachten und frühzeitiges Handeln ist wichtig, damit Ihr Tier lange schmerzfrei laufen kann. Schon ein leichter Muskelrückgang an einem Bein gibt einen Hinweis auf Schmerzen im Bewegungsapparat auf dieser Seite.

Gerade chronische, dauerhafte Schmerzen wird Ihr Tier nur durch Wesensänderung zeigen – jaulen oder quietschen wird es selten!

 

Auch Verhaltensveränderungen von Tieren im Alter kommen sehr häufig vor. Fast 50% aller Hunde >8 Jahre zeigen diese. Hierbei kommen demenzartige Erscheinungen garnicht so selten vor.

Wie kann ich meinem Tier das “altern” erleichtern und damit auch mir selber den Alltag? Denn ein Tier, welches sich schlechter orientieren kann, unsauber wird oder zunehmend Ängstlichkeit zeigt, belastet auch den Besitzer.

Also fragen Sie frühzeitig nach, was wir für Ihr Tier tun können, um Ihr Tier lange schmerzfrei halten können, die “Alterserscheinungen” zu minimieren und das Fortschreiten zu verlangsamen.