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Hund – Impfung

Bei allen nachfolgenden Krankheiten handelt es sich um hoch ansteckende Infektionen, die in der vergangenen Zeit zu hohen Todesfällen unter der Hundepopulation geführt hat. Deshalb sind Impfungen entwickelt worden und auch sinnvoll, um Ihren Hund frühzeitig vor diesen Gefahren zu schützen. Wichtig dabei ist auch, dass eine ordnungsgemäße Grundimmunisierung durchgeführt wird (in der Regel 2-3x im Abstand von 4 Wochen und dann nach einem Jahr), damit der Schutz gegen die Erkrankung auch vollständig ausgebildet werden kann.

Staupe:
Es handelt sich um eine fieberhafte Viruserkrankung, die sich im Bereich der Atemwege, des Verdauungskanals und/oder des Gehirns festsetzen kann. Die Übertragung kann von Tier zu Tier, aber auch indirekt über Hände, Kleider, Fressnäpfe etc. erfolgen. Die Erkrankung verläuft im typischen Fall zweiphasig. In der ersten Phase kann es zu einer leichten Störung des Allgemeinbefindens, Appetitlosigkeit und Bindehautentzündung kommen. In der zweiten Phase, nach 2-7 Tagen, beobachtet man erneut Mattigkeit, Appetitlosigkeit und Konjunktivitis, eitriger Augenausfluß, sowie Entzündungen der oberen Atemwege. Bei jungen Hunden, die diese Krankheit überleben, kann man später die typischen Schmelzdefekte als „Staupegebiss“ erkennen. Aber auch Veränderungen im Ballenbereich (Hyperkeratose) können durch eine überstandene Staupeerkrankung auftreten. Der “Staupe-Tick” kann von leichten Zuckungen bis hin zu epiletiformen Anfällen durch eine Infektion im Bereich des Gehirns ausgelöst werden.
Gerade durch die Einfuhr von ungeimpften Welpen aus dem östlichen und südlichen Ausland kommt es auch in Deutschland immer häufiger zu Staupefällen.

Hepatitis contagiosa canis (HCC):
Die HCC ist eine hochfieberhafte Leberentzündung. Aufgenommen wird das Virus über Maul oder Nase von infiziertem Speichel, Harn oder Kot. Die Symptome können sehr vielfältig sein und unterscheiden sich kaum von anderen Infektionskrankheiten. Verdächtige Symptome sind Mandelentzündung mit Lymphknotenschwellung, punkt- oder flächenhafte Blutungen in der Haut, Blutungen in Maulhöhle und vorderer Augenkammer, Schmerz bei Abtasten des Bauches, Lungenentzündung, zentralnervöse Störungen und Durchfall. Die Sterblichkeitsrate kann bei jungen Hunden bis 100% betragen.

Parvovirose – Katzenseuche:
Viele kennen diese Erkrankung noch aus früheren Tagen. Die Hunde, häufig Welpen, haben blutiges Erbrechen und Durchfall. Durch die schnelle Austrocknung und der massiven Abnahme der weißen Blutkörperchen sterben leider sehr viele Hunde an dieser Erkrankung. Selbst Tiere, die intensiv behandelt werden, können aufgrund der entzündlich ausgelösten Darmbewegungsstörung Einstülpungen im Darm (Invagination) bekommen, welche dann operativ behandelt werden müssen. Weiterhin kann es auch zu einer Herzmuskelentzündung (besonders Hunde jünger als drei Monate) kommen. Die Ausscheidung (bis max. 25 Tage) und Ansteckung erfolgt über den Kot kranker bzw. genesender Tiere. Bei Erkrankung des Herzmuskels sterben die Welpen häufig aufgrund starker Veränderungen am Herzen, die nicht reparabel sind.
Gerade durch die Einfuhr von ungeimpften Welpen aus dem östlichen und südlichen Ausland kommt es auch in Deutschland immer häufiger zu Parvovirosefällen.

Parainfluenza – Zwingerhusten:

Zwingerhusten ist eine grippeähnliche, häufig chronisch verlaufende Erkrankung der Atemwege, die durch verschiedene Erreger (Viren und Bakterien) ausgelöst wird. Im Zusammenspiel mit schlechten klimatischen Bedingungen (Durchzug, Feuchtigkeit) und besonders bei Tieren, die durch andere Umstände gestresst sind, wie z.B. Besitzerwechsel, Zahnwechsel, Parasiten, Haltung von mehreren Hunden auf engem Raum (daher auch der Begriff des “Zwingerhustens”) kann sich das Krankheitsbild verschlimmern. Anfangs ist der Husten laut und trocken, der Nasen- und Augenausfluß ist klar. Wird dieses Stadium nicht rechtzeitig behandelt, kann sich die Krankheit bis hin zu eitrigen Lungenentzündungen mit Fieber ausweiten und im schlimmsten Fall zu einer bleibenden Schädigung des Lungengewebes führen.
Da es sich hierbei um eine Multifaktorenkrankheit handelt, kann die Impfung nicht so effektiv sein, wie bei einer Erkrankung, die nur durch einen Erreger ausgelöst wird. Trotzdem sind die Symptome in der Regel milder und leichter zu behandeln als bei ungeimpften Hunden.

Es existieren zwei verschiedene Impfstoffe. Der eine wird wie gewohnt unter die Haut gespritzt. Für Hunde, die häufig verreisen, auf Ausstellungen gehen oder sonst häufig mit vielen fremden Hunden Kontakt haben, empfielt sich die zusätzliche Intranasale Impfung. Hierbei wird der Impfstoff in die Nase gesträufelt und fängt dann direkt die Viren ab, die über die Nase aus der Umwelt aufgenommen werden kann. Diese Impfmöglichkeit bietet aber keinen so guten Schutz, weshalb sie nur “zusätzlich” gewählt werden sollte.

Leptospirose:
Hierbei handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung, die praktisch alle Organsysteme einzeln oder gemeinsam schwer schädigen kann. Die Ansteckung erfolgt durch direkten Kontakt mit Harn kranker Hunde oder indirekt auch über Fleisch oder die Umgebung (Pflanzen, Boden, Wasser, Nagetiere). Anfangs sind betroffene Tiere oft nur sehr müde und haben einen schwankenden Gang, später kommt es dann zu Fieber, Erbrechen, Durchfall, Nieren- und/ oder Leberversagen. Seltener kommen Lähmungen der Gliedmaßen, Kreislaufversagen, Atemnot und Sehstörungen hinzu. Leider gibt es insgesamt 6 verschieden Bakterienunterarten, die diese Erkrankung auslösen können. Mittlerweile existiert ein Impfstoff, der 4 dieser Unterarten abdeckt. Bei Hunden, die jagdlich geführt werden oder sehr viel in Brackwasser schwimmen, wird sogar ein Impfintervall von 6 Monaten empfohlen.

Tollwut:
Die Tollwut ist eine akut und tödlich verlaufende Gehirnentzündung bei Tieren und Menschen (sog. Zoonose = auf den Menschen übertragbare Krankheit); die Übertragung des Virus erfolgt durch den Speichel beim Biß infizierter Füchse, Nagetiere, Fledermäuse. Daher sollten alle Haustiere, die Kontakt zu Wildtieren haben könnten, gegen Tollwut geimpft sein, auch zum Schutz des Menschen! Das Virus breitet sich direkt über die Nervenbahnen Richtung Gehirn aus. Am Beginn der Erkrankung zeigt sich eine Wesensänderung, die von überfreundlich (bei Wildtieren scheinbare Zahmheit) bis sehr ängstlich sein kann. Während des sogenannten Exzitationsstadiums sind die Tiere aggressiv und sehr unruhig. Im letzten Stadium geht die Unruhe über in Erschöpfung und Lähmungserscheinungen und endet immer mit dem Tod.

Borreliose:
Borreliose ist eine bakteriell bedingte, von Zecken übertragene Erkrankung. Das kennt man vor allem, weil der Mensch sehr empfindlich auf diese Erreger reagiert.

Das dominierende Bild, welches Hunde nach einer Infektion zeigen, sind Lahmheiten, die auch in Abständen von 4-6 Wochen immer wieder auftreten können. Nachgewiesen werden kann eine Borrelieninfektion aber sehr schlecht. Am sichersten geht das über den direkten Nachweis der Bakterien aus der Zecke, Gelenksflüssigkeit oder der den Biss umgebenden Haut. Häufig hat man aber nicht eindeutige Symptome und muss versuchen, über Titerbestimmungen im Blut einen Hinweis zu bekommen. Da der Hund aber relativ unempfänglich für die Erkrankung ist, kommt es häufig vor, dass ein hoher Titer als falsch positiv angesehen wird. Hier ist es wichtig, im Abstand von 4-6 Wochen noch mal nach zu testen und auch neben dem sogenannten IgG-Titer (gibt einen Hinweis auf Kontakt zum Bakterium vor längerer Zeit) auch den IgM-Titer (ist hoch, wenn vor kurzem Kontakt zum Bakterium bestand) anzufordern. Nur in Verbindung mit der klinischen Untersuchung und diesen aufwendigen Tests kann dann die Diagnose „Borreliose“ gestellt werden.
Laut neueren Untersuchungen ist der Hund aber sehr unempfänglich für das Ausbilden einer Borrelioseerkrankung. Auch die Impfung bietet keinen sicheren Schutz, so dass wir mittlerweile von einer Impfung absehen. Wichtig ist die intensive Zeckenprophylaxe, um auch hier weitere Erkrankungen (Anaplasmose, Ehrlichose), die über Zecken übertragen werden können, zu verhindern.

Tetanus:
Wundstarrkrampf wird durch ein Gift verursacht, das von Tetanusbakterien  (Clostridium tetani) gebildet wird. Dieser Erreger, der selbst gegen große Hitze und Desinfektionsmittel sehr resistent ist, kommt praktisch überall vor und kann vor allem nach Verletzungen in den Körper eindringen. Eintrittspforten beim Hund sind neben Biss- und seltener auch Operationswunden Zahnfleischtaschen, Darm und Gebärmutter. Bei Junghunden kann eine Infektion während des Zahnwechsels erfolgen. In vielen Fällen ist die Eintrittspforte nicht zu finden. Nach der Infektion findet eine Vermehrung der Bakterien unter anaeroben Bedingungen statt (das heißt unter Ausschluss von Sauerstoff), die daraufhin das Toxin bilden. Dieses bindet an das Nervengewebe der Muskelendplatte und löst danach tonische Muskelspasmen aus. Diese Bakterien können mit Penicillin recht gut behandelt werden, deshalb muss frühzeitig eingegriffen werden, damit so wenig wie möglich Gift produziert werden kann. Eventuell ist bei schweren Verläufen eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich, da durch das Gift Atemnot bis hin zu Erstickungsanfällen auftreten kann. Im Gegensatz zu Mensch, Pferd und Schafen tritt die Erkrankung beim Hund sehr selten auf. Deshalb wird eine systematische aktive Impfung nicht empfohlen. Eine prophylaktische Verabreichung von Serum kann bei stark exponierten Hunden mit tiefen, verschmutzten Wunden in endemischen Gebieten aber angezeigt sein.